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Evolutionäre Familienforschung – Kosten-Nutzen-Bilanzen an der Schnittstelle zwischen Verwandtenselektion und sozialem Kontext

  • Kai P. Willführ

摘要

Viele Ausdifferenzierungen der Darwinischen Evolutionstheorie sind für die Familienforschung von besonderer Relevanz. So ist die Theorie der Verwandtenselektion nicht auf die tierliche Sozialität beschränkt, sondern erklärt auch, warum Menschen in allen Kulturen und Epochen ihre reproduktiven und produktiven Aktivitäten in Familiennetzwerken und Familienhaushalten organisieren. Auch wenn die Bereitschaft zur Kooperation in der menschlichen Familie ultimat auf Verwandtenselektion zurückgeht, ist sie nicht der einzige Faktor, der die Beziehungen der Mitglieder einer Familie bestimmt. Echter Altruismus zwischen nahverwandten Familienmitgliedern ist aufgrund von indirekten Fitnessvorteilen möglich. Jedoch sind Familienmitglieder nicht nur vertrauensvolle Alliierte, sondern zugleich auch scharfe Konkurrenten. Deshalb werden selbst unter Geschwistern oder zwischen Eltern und Kindern Unterstützung und Hilfe nicht bedingungslos gewährt, sondern auf der Grundlage einer Kosten-Nutzen-Kalkulation angeboten. Die Kosten und Nutzen hängen dabei vom sozialen Kontext ab. Das gilt für die zwischengesellschaftliche Perspektive, die Familie zwischen Kulturen und Epochen vergleicht, als auch für die innergesellschaftliche Perspektive, deren Ziel es ist, Unterschiede zwischen Sozial- und Bevölkerungsgruppen zu verstehen. Evolutionäre Familienforschung ist daher grundsätzlich ein interdisziplinäres Forschungsvorhaben. Dieser Beitrag führt in die Grundlagen der Evolutionären Familienforschung ein und versucht, ihre wichtigsten Aspekte zu beleuchten.