Herausforderungen und Errungenschaften evolutionärer und biosozialer Ansätze in der Soziologie
摘要
Im vorliegenden Beitrag zeichnen wir die Rezeption evolutionärer und biosozialer Forschung in der Soziologie über die Zeit nach. Dabei illustrieren wir auch die Vielfalt von Ansätzen innerhalb der Soziologie, die sich mit eben dieser Forschung auseinandersetzen und unter dem Begriff „Evolutionäre und Biosoziologie“ (EBS) zusammengefasst wird. Im historischen Teil unseres Beitrags verweisen wir auf die herausragende Bedeutung des finnischen Soziologen Edward Westermarck als geistiger „Urheber“ der EBS. Wir zeigen des Weiteren, dass Versuche, biologische und evolutionäre Konzepte für die Soziologie nutzbar zu machen, im 20. Jahrhundert zweimal gescheitert sind, und zwar jeweils unmittelbar nach wichtigen Wendepunkten in der Biologie menschlichen Verhaltens: in den Jahrzehnten nach Darwins „Origin of Species“ und in den Jahren nach Wilsons „Soziobiologie“. Heute allerdings, so ein zentrales Fazit unseres Beitrags, greift die Soziologie auf vielfältige Weise biologische und evolutionäre Konzepte zu menschlichem Verhalten konstruktiv auf und implementiert diese in die eigene Forschung. Die evolutionäre und biosoziale Forschung innerhalb der Soziologie scheint heute ausreichend stark verankert zu sein, allerdings mit unterschiedlichen Institutionalisierungsgraden je nach Teilbereich. Daher erwarten wir, dass die EBS auch in den kommenden Jahren eine wichtige, möglicherweise sogar zunehmend wichtige Rolle im Fach spielen dürfte.