Evolutionär stabile Reviewing-Strategien und wissenschaftliche Paradigmen-Dominanz
摘要
Diese Arbeit steht in der Tradition von Thomas Kuhns berühmtem Buch The Structure of Scientific Revolutions und beschäftigt sich mit der Evolution von Wissenschaft. Anders als das Buch von Kuhn geht dieser Artikel jedoch davon aus, dass die Abfolge von Paradigmen nicht nur das Ergebnis der Erschöpfung von Paradigmen, sondern ebenso sehr eines Konflikts zwischen den Anhänger/innen eines alten und eines neuen Paradigmas ist, bei dem es um akademische Karrieren und wissenschaftliche Dominanz geht: Die Vertreter/innen des alten Paradigmas versuchen ihre dominante Position mittels evolutionär stabiler Strategien beim Reviewing von Publikationen zu halten und das Vordringen neuer Paradigmen zu verzögern oder gar zu verhindern, um so ihre eigene Position im Verteilungskampf um künftige Forschungsgelder zu sichern. Um abzuklären, unter welchen Umständen und in welchem Ausmaß dies gelingt, wird in diesem Kapitel ein Computer-Simulationsmodell entwickelt, das den Reviewing-Prozess und dessen Folgen für die Populationsdynamik der Vertreter/innen des alten und des neuen Paradigmas beschreibt. Entscheidend für die Simulationsergebnisse erweisen sich dabei die Abnützung des alten Paradigmas und die Toleranz der Reviewer/innen gegenüber fremden paradigmatischen Ansätzen.