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Evolutionäre Psychologie: Auf Umwegen zu einem evolutionären Paradigma für die Psychologie?

  • Frank Eggert,
  • Nicole Holzhauser

摘要

Dieser Beitrag analysiert die Integration evolutionstheoretischer Prinzipien in die Psychologie im Rahmen der Evolutionären Psychologie und präsentiert die Behavioral Selection Theory als neues evolutionstheoretisch fundiertes Paradigma für eine naturwissenschaftliche Psychologie. Im Rahmen einer wissenschaftshistorischen Darstellung erläutern wir die Bedeutung der kognitiven Wende für die theoretische Diversifikation innerhalb der Psychologie. Die im Rahmen dieser Wende erfolgte Revitalisierung mentalistischer Konzepte lässt sich als eine Art Konterrevolution gegen das damals vorherrschende behavioristische Paradigma verstehen. Die Integration des dadurch verlassenen Theoriestrangs einer verhaltenswissenschaftlichen Psychologie in ein selektionistisches Paradigma auf der Basis evolutionstheoretischer Überlegungen erlaubt, ein generelles Erklärungsprinzip für Verhalten zu entwickeln: Selection by Consequences. Die darauf aufbauende Behavioral Selection Theory integriert unterschiedliche Formen von Verhaltenssteuerungsmechanismen, die das Verhalten an stabile oder dynamische Umweltbedingungen über Generationen oder über wiederkehrende Konfrontationen mit Kontexten anpassen können. Anders als die Evolutionäre Psychologie, die im Wesentlichen auf die Natürliche Selektion rekurriert, um Regularitäten im Verhalten erklären zu können, enthält der Theoriekorpus der Behavioral Selection Theory auch Mechanismen der schnellen Adaptation an dynamisch wechselnde Umwelten, der antizipatorischen Adaptation sowie der Beschleunigung von Selektionsprozessen im Rahmen sozialer Konfigurationen. Damit und mit der expliziten Einbeziehung mentaler Phänomene als Explananda hat die Behavioral Selection Theory das Potenzial, zu einem evolutionstheoretisch fundierten allgemeinen Paradigma der Psychologie werden zu können.