Der Kampf der Bürokratie gegen den islamischen Religionsunterricht in Berlin – eine Fallstudie zur Integrationssoziologie
摘要
Theorien der Assimilation und Integration von Migrant*innen haben erklärt, dass die Mehrheitsgesellschaften hohe Hürden für neue Minderheiten aufbauen. Dies wurde etwa deutlich, als in Berlin seit den 1980er Jahren ein türkisch-muslimischer Verband versuchte, an öffentlichen Schulen islamischen Religionsunterricht anzubieten. In Berlin erfolgt seit dem Zweiten Weltkrieg nur freiwilliger Religionsunterricht: Institutionen, die Religionsunterricht anbieten wollen, können bei den Schulen selbst einen Antrag auf Erteilung des Unterrichts stellen. Nach der Bewilligung und Durchführung trägt der Staat bis zu 90 % der Personalkosten. Doch die wiederholten Anträge des genannten muslimischen Verbandes wurden über viele Jahrzehnte hinweg unter Anführung zweifelhafter Argumente abgelehnt. Erst Entscheidungen der Verwaltungsgerichte führten schließlich, Ende der 1990er Jahre, dazu, dass der Unterricht ab dem Jahr 2000 stattfinden konnte. Grund dafür ist ein Wandel der öffentlichen Einstellung zur Durchführung von islamischem Religionsunterricht in Deutschland generell, wie Umfragen zeigen. Diese Fallstudie verdeutlicht, dass Verwaltungsinstitutionen und Gerichte sehr stark von gesellschaftlichen Haltungen und Meinungen abhängig sind.