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Vom Schein geblendet: Die Tücken des Schubladendenkens

  • Manuel Stegemann

摘要

Vielleicht kennen Sie folgende Situation: Mir wurde als Kind, wenn ich krank war, gesagt, dass die Medizin ganz furchtbar schmecken muss, damit sie wirkt. Ich kann heute nicht mehr genau sagen, ob meine Eltern das wirklich dachten oder ob sie mich damit motivieren wollten, die Medizin einzunehmen und an die Wirkung zu glauben. Wie auch immer: Vom Geschmack der Medizin wurde auf die Wirkungsstärke geschlossen. Was ekelig ist, muss wirksam sein. Mit solchen Schlussfolgerungen von einem Attribut auf ein anderes setzen wir uns in diesem Kapitel auseinander. Unsere Schlussfolgerungen basieren in vielen Situationen auf unseren „mentalen Schubladen“, Stereotypen und Vorurteilen. So wirkt bspw. ein Mensch mit Brille gleich gebildeter oder seriöser auf uns. Sie gehören zu den heuristischen Denkmustern und stellen eine Abkürzung für die Entscheidungsfindung dar. Aber trifft das auch für den Geschmack von Medizin zu? Ist das Geräusch beim Zuschlagen einer Autotür wirklich ein guter Indikator für die gute Verarbeitung der Karosserie eines Autos? Für Unternehmen ist es sehr wertvoll zu wissen, von welchen Merkmalen Menschen auf andere Merkmale eines Produkts oder einer Dienstleistung schließen. Denn selbst wenn diese Schlussfolgerungen ungültig – also irrational – sind, hilft das Wissen über sie den Unternehmen bei der Gestaltung von Produkten, Verpackungen und Werbeanzeigen. Die Repräsentativitätsheuristik und der Halo-Effekt werden im Kapitel näher erläutert und bilden für Beurteilungen und deren Fehler die theoretische Grundlage. Eine Fallstudie mit realen Daten zu Halo-Effekten schließt dieses Kapitel ab.