Akademisierung im Bereich der Lerntherapie. Zur Entstehung eines neuen Handlungsfeldes in Schulen
摘要
Das berufliche Feld der Lerntherapie war in den vergangenen Jahren trotz fehlender Anerkennung der Berufsbezeichnung und heterogenen Formen der Ausbildung von einer wachsenden Nachfrage nach solchen Therapien geprägt. An ihr wird gezeigt, wie einerseits in Akademisierungsprozessen über die Einrichtung von Studienprogrammen Titel erzeugt werden, aus denen die implizite Anerkennung des Berufs folgt. Andererseits führt der Fall vor, wie durch die Akademisierung berufliche Zuständigkeiten reklassifiziert werden. Beide Aspekte verändern das berufliche Feld von Lerntherapeuten. Die Vergabe von BA- und MA-Abschlüssen führt zwar nicht zu einer rechtlichen Anerkennung des Berufs, die Existenz der Titel trägt jedoch zur Delegitimierung der beruflichen Qualifikation all jener bei, die ohne akademischen Abschluss im Bereich tätig sind. Den Schwerpunkt des Beitrags bildet die Darstellung der Re-Klassifikation beruflicher Zuständigkeit am Beispiel der Schule. Gezeigt wird, wie Lerntherapeuten zunehmend versuchen, sich die Schule als Ort für Therapien zu erschließen. Damit einher geht ein ambivalentes Verhältnis zwischen den dort etablierten Professionen und der Lerntherapie: Für Lehrer bedeuten die Therapeuten mit Blick auf Aspekte der pädagogischen Selektion eine Entlastung, weil sie Schüler mit durchschnittlich ungenügenden Leistungen in ihre Zuständigkeit verweisen können; gleichzeitig sind die Lehrkräfte darum bemüht, ihre professionelle Autonomie gegenüber den Therapeuten zu verteidigen und Eingriffe zu vermeiden.