Gründen lernen? Entrepreneurship Studies und die Akademisierung des Neuen
摘要
Der Beitrag behandelt, wie die Unternehmensgründung im Verlauf der letzten 50 Jahre erst zum Gegenstand der Wirtschaftspolitik und dann akademischer Forschung und des Studiums wurde. Akademische Gründungsfähigkeit wird erst spät politisch gefördert und kann sich innerhalb des Hochschulwesens und der betriebswirtschaftlichen Disziplin lange nicht durchsetzen. Erst durch die Initiative von Marktakteuren wird über Stiftungsprofessuren Entrepreneurship in die privaten, Technischen und Fachhochschulen hineingetragen. Gründen wird aber der Universität nicht von außen auferlegt, sondern sie ermöglicht durch ihr eigene Prozesse erfolgreiches Gründen zu spezifizieren und so die Gründungspraxis selbst zu transformieren. Anhand einer Fallstudie wird aufgezeigt, wie in der Hochschule die Unternehmensgründung in zu bearbeitende Einzelschritte unterteilt und von Studierenden bearbeitet wird, um dann in der wettbewerblichen Simulation von Gründungspraxis erprobt zu werden. Diese akademische ‚Praxis‘ wirkt in der Folge maßgeblich auf die Gründungsumwelt, weil sie wissenschaftsgenerierte Bewertungsfaktoren zur Verfügung stellt, um Gründungserfolge vor ihrem Eintreten einzuschätzen und so unterschiedliche Formen der Gründungsförderung legitimiert. Trotz konkreter Ausbildungsbedarfe, die zu einer anwendungsbezogenen Gründungslehre geführt haben, wird so eine Akademisierung des Neuen ersichtlich, die – unabhängig von dem tatsächlichen Unternehmenserfolg – die Förderung von Unternehmensgründung strukturiert und verändert. So erzeugt sie zugleich neue Bedarfe an akademischen Gründungsexperten.