„Ostdeutschland“ als umstrittene analytische Kategorie und kollektive Identität
摘要
Die öffentliche und akademische Diskussion um Ostdeutschland und ostdeutsch kreist oft um die Frage, ob Jahrzehnte nach der deutschen Einheit „ostdeutsch“ noch eine sinnvolle analytische Kategorie ist und ob es so etwas wie eine ostdeutsche kollektive Identität gibt. Dieser Beitrag skizziert einleitend vier prototypische Standpunkte in der Diskussion um Ostdeutschland in ihren Grundzügen und als Bestandteil einer öffentlichen Auseinandersetzung um kollektive Identität. Darauf aufbauend werden die Beiträge des Bandes systematisch auf diese Diskussion bezogen und gezeigt, welche Befunde für und gegen die jeweiligen Standpunkte sprechen. Diese Analyse bestätigt Ostdeutschland und ostdeutsch als weiterhin sinnvolle analytische Kategorien, die auch gesamtdeutsche Entwicklungen zu verstehen helfen. Ihre Verwendung muss jedoch theoretisch begründet werden, weil ein Teil von Ost-West-Unterschieden in der Tat auf relevantere soziale und regionale Differenzierungslinien wie unterschiedliche Bildung, soziale Lagen und periphere Regionen verweist, die so auch in Westdeutschland vorkommen (Kompositionseffekte). Dennoch verbleiben auch unter Berücksichtigung dieser Merkmale genuine Besonderheiten Ostdeutschlands (Kontexteffekte). In diesem Zusammenhang bildet Ostdeutschland auch aktuell ein sozial relevantes, kollektives Identitätsangebot.