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„The cure is biochemical“

  • Jeannie Moser

摘要

Drogen, insbesondere LSD, sind in den 1950er- und 1960er-Jahren integraler Bestandteil von Selbst- und Soziotechniken, die auf individuelle wie kollektive Erneuerung und Verbesserung zielen. Ihre Dramaturgie besteht darin, Psychodynamiken zu irritieren, zu eskalieren sowie vorhandene Denk- und Verhaltensmuster zu zerstören, um dann Heilung und Reform einzuleiten. In unterschiedlichen Varianten reifen diese Techniken in so verschiedenen Milieus wie psychiatrischen Kliniken, medizinischen und (neuro-) chemischen Forschungsinstitutionen, therapeutischen Privatordinationen, Selbsterfahrungskursen unterschiedlichster Couleur, der CIA, der Counterculture sowie an den Punkten ihrer Überkreuzung. Sie verdanken sich ‚kalten‘ kontrolliert-wissenschaftlichen Versuchsanordnungen ebenso wie einem ‚wilden‘ Experimentieren mit Drogen und entwickeln sich in einem Denkkollektiv (Fleck), das sich über erbitterte politische Feindschaften hinwegsetzt, wenn psychopharmakologische und kulturelle Revolution ineinandergreifen. Der Beitrag begibt sich auf exemplarische Schauplätze, an denen dieses schillernde Denkkollektiv in Aktion tritt, um Drogen in chemische Agenzien der Arbeit am Selbst zu verwandeln. Es profiliert bis heute einschlägige Praktiken der Regierung eines neurochemischen Selbst (Rose), das sich, weil es stofflich fundiert gedacht wird, auch stofflich manipulierbar macht. (Der Beitrag stellt in gedrängter Kürze ein Argument dar, das sich in Psychotropen. Eine LSD-Biographie (Moser 2013) ausführlich entfaltet findet.)