Drogen, Staat und Gesellschaft in der Bundespublik Deutschland, in Großbritannien und den USA zwischen den 1960er-und 1990er-Jahren
摘要
Von etwa Mitte der 1960er- bis Mitte der 1990er-Jahre galt Drogenkonsum in den drei untersuchten Ländern in unterschiedlichen Abstufungen als staats- und gesellschaftsbedrohend. Das Ende dieser Phase wurde beeinflusst durch das Aufkommen von AIDS, durch die Ausweitung des sozial integrierten Konsums von Partydrogen sowie durch die drogenpolitischen Aktivitäten sozialer Bewegungen, die in urbanen Settings verankert waren. In der Westberliner Heroinszene der 1980er-Jahre dominierte – anders als in London und bedingt durch die repressive Drogenpolitik, die oft die Zustände in US-Städten als Zukunftsmodell nahm – der Junkie-Typ (harte Männlichkeit, Gewalt, imaginierte Todesnähe, Sweet-short-life-Ideologie). In zerfallenden US-Städten existierte dieses Profil (v. a. in Crack-Szenen) in gewaltdominierter Zuspitzung und mit starker ethnischer Codierung. Die bundesdeutsche Drogenpolitik sollte durch Polizeieinsatz sowie durch das Abstinenzparadigma bis in die späten 1980er-Jahre den Staat vor Gefahren einer ungebändigten Konsumgesellschaft schützen. Die britische Drogenpolitik war geprägt vom Kompromiss zwischen liberalen und repressiven Maßnahmen sowie einer etablierten Kultur der Kommunikation zwischen Politik, ExpertInnen und lokal tief verankerten zivilgesellschaftlichen Akteuren. Die 1980er-Jahre zeigten jedoch: Dieses System überging die polizeiliche Diskriminierung der afro-karibischen Bevölkerung. Die Drogenpolitik der USA war bestimmt durch einen transnational vorgelagerten Gesellschaftsschutz und vom Nebeneinander lokaler und staatlicher Kontrollinstanzen. Aufgrund des zerklüfteten politischen Systems sowie angesichts ethnisch codierter massiver Ungleichheit in den Innenstädten konnten Stadtteilorganisationen hier weniger wirksam agieren.