Einleitung: Wirklichkeitskonstruktion zwischen Orthodoxie und Heterodoxie – zur Wissenssoziologie von Verschwörungstheorien
摘要
Über längere Zeit gab es eine im doppelten Wortsinne merkwürdige Diskrepanz zwischen der gesellschaftlichen Relevanz von Verschwörungstheorien und deren wissenschaftlicher Erforschung. Ursache scheint auf den ersten Blick eine diesem kulturellen Phänomen anhaftende ‚Unseriosität‘, was offensichtlich zu einer gewissen Furcht führte, durch eine Beschäftigung mit diesem Thema, die eigene wissenschaftliche Reputation zu beschädigen. Die Wenigen, die es dennoch wagten, sich mit diesem zweifelhaften Thema auseinanderzusetzen, grenzten sich in aller Deutlichkeit von ihrem Untersuchungsgegenstand ab, um am Ende nicht selbst zu jenen ‚Verschwörungstheoretikern‘ gezählt zu werden, denen spätestens seit dem paradigmatischen Essay The Paranoid Style in American Politics (1964) des US-amerikanischen Historikers Richard Hofstadter ein Hang zu paranoiden Denkformen diagnostiziert wurde.