Dekonstruktionen und (Re)Konstruktionen im Spannungsfeld von Genese und Geltung aus Sicht erwägungsorientierter Bildung
摘要
Dekonstruktiv zu denken und radikal skeptisch gegenüber jeweiligen Positionierungen sein und nach Alternativen fragen zu können, ist ein Vermögen, das besonders für Bildungsgänge grundlegend ist, die häufig mit mehr oder weniger versteckten Überwältigungsmechanismen zu tun haben. Auch erwägungsorientierte Bildung ist hilfreich mit seiner Unterscheidung zwischen Erwägungs- und Lösungsebene sowie der Beachtung von Erwägungs-Geltungsbedingungen gegenüber Zumutungen von (Selbst)Überwältigungen. Neben einer dekonstruktiven Komponente geht Erwägungsorientierung aber einher mit einer (re)konstruktiven Komponente, was am Aufeinanderbezogensein von Genese und Geltung von Positionen liegt. Im Unterschied zu einer Haltung der Dekonstruktion, die gegenüber Auszeichnungen von jeweiligen Positionen skeptisch bleiben – sie auflösen – muss, kann man sich mit einer Haltung einer Erwägungsorientierung zugleich engagieren und distanzieren, ohne sich selbst und andere zu überwältigen. Der Fokus des Beitrags liegt darauf, was Erwägungsorientierung für Bildung bedeutet und wie sie von Anfang an gefördert werden könnte. Ausgehend von zwei Szenen erwägungsorientierter Grundschulpraxis wird das Konzept einer Erwägungsorientierung dargelegt und sein auch selbstreferentiell kritisches Potenzial herausgearbeitet. Schließlich wird die Relevanz von Erwägungsorientierung für Bildung an ausgewählten Herausforderungen für Unterricht erörtert. Der Beitrag endet mit einem Plädoyer für mehr Frag-würdig machen und Frag-würdig halten.