Die Vor(ur)teile des islamischen Religionsunterrichts – Sonderstellung eines neuen Faches
摘要
Trotz des langanhaltenden Diskurses über die Anerkennung des Islams und der muslimischen Gemeinschaft in Deutschland erweist sich dieses Thema als persistent in seiner Relevanz. Die jüngste politische Reinszenierung dieses Diskurses verleiht ihm eine erneute Bedeutungsebene und hebt mithilfe rhetorischer Strategien unter anderem den performativen Akt der institutionellen Verankerung durch den islamischen Religionsunterricht (IRU) hervor. Obwohl politische Entscheidungsträger*innen und muslimische Vertreter*innen zunächst die Einführung des IRU in Baden-Württemberg als wegweisenden Meilenstein begrüßten, zeichnen sich dennoch Differenzen in ihren Motiven, Zielsetzungen und Prioritäten ab. Während bildungspolitische Akteur die Bedeutung der Dialogfähigkeit von Muslim*innen in einer pluralistischen Gesellschaft hervorheben und die Vermittlung religiöser Grundlagen in deutscher Sprache betonen, betrachten Muslim*innen den IRU als einen Weg zur staatlichen Anerkennung ihres Glaubens und dem integrativen Ausbau der deutschen Identität. Eine erste Bilanz nach der Einführung des IRU in Baden-Württemberg verdeutlicht jedoch, dass die erwarteten Ziele und die praktische Umsetzung nicht immer spannungsfrei übereinstimmen. Vorliegend sollen daher die vielschichtigen Perspektiven erläutert werden, um durch zwei analytische Ansätze die Auswirkungen dieser Motive auf den schulischen Alltag, anhand von Interviews, genauer zu untersuchen. Es werden Einblicke in die Dynamik und in die Herausforderungen des islamischen Religionsunterrichts sowie in die Aushandlungsprozesse um die Identität von Muslim*innen in Deutschland ermöglicht.