Vom Münchner Konsens zur Zeitenwende?
摘要
Dieser Beitrag untersucht die Entwicklung der öffentlichen Meinung in Deutschland zu außen- und sicherheitspolitischen Themen im Zeitraum zwischen 2013 und 2021. Zudem entwickelt und testet der Beitrag ein Maß zur Messung einer Zeitenwende in der öffentlichen Meinung nach dem ersten Angriff Russlands auf die Ukraine und dem Münchner Konsens von 2014. Das Maß berücksichtigt drei Kriterien: 1) Hat es eine Verschiebung oder einen Umschwung der Mehrheit bei einem Thema bzw. einer Frage gegeben? (Meinungsumschwung) 2) Wie stark ist die Veränderung? (Stärke) 3) Wie lange hält die Veränderung an? (Dauer). Es zeigt sich, dass es nach 2014 keine Zeitenwende der öffentlichen Meinung vor der "Zeitenwende" von Bundeskanzler Olaf Scholz im Politikfeld Außen- und Sicherheitspolitik gab. Nur für ausgewählte außen- und sicherheitspolitische Einstellungen, etwa zur Höhe der Verteidigungsausgaben, zeigen sich deutliche Verschiebungen. Der Großteil der empirischen Befunde belegt aber eindrucksvoll die große Konstanz der Haltungen der Bevölkerung in Deutschland zu Außen- und Sicherheitspolitik. Der große Wert dieses Beitrags besteht einerseits in einem konzentrierten Überblick zu Stabilität und Wandel der sicherheitspolitischen öffentlichen Meinung zwischen 2013 und 2021. Andererseits wird ein Vorschlag zur methodisch-empirischen Operationalisierung einer Zeitenwende entwickelt und angewendet, der auch für andere Politikbereiche, Länderkontexte und Untersuchungszeiträume relevant ist.