‚Das kleine Ich bin ich‘: Eine Annäherung an die generative Kraft einer Tautologie
摘要
Der Beitrag geht von der Vermutung aus, dass sich in Kinderbüchern nicht zuletzt auch die zeitabhängigen Projektionen und Bilder eines gelingenden Lebens ausdrücken. Solche Geschichten stiften einen Raum, in dem dann nicht zuletzt über das Gelingen oder Scheitern, über die Schwierigkeiten und Möglichkeiten der Realisierung solcher Bilder verhandelt werden kann. Die hier untersuchte Geschichte aus dem Jahr 1972 markiert – vielleicht exemplarisch – einen Wandel solcher Bilder. Gegenüber den emanzipatorischen Narrativen gegen Ende der 1960er Jahre rückt nun die Frage der sozialen Zugehörigkeit eines singulär bleibenden Individuums in den Vordergrund. Auch wenn die Geschichte die Vereinbarkeit einer unproblematischen Identität mit sich selbst und sozialen Integrations- und Anerkennungsprozessen betont, so sind doch deren Brüche, Widersprüche und Paradoxien nicht zu übersehen. Das hat allerdings seit dem ersten Erscheinen dieser Geschichte der Attraktivität des mit ihr formulierten Versprechens einer imaginierten Versöhnung von Singularität und sozialer Zugehörigkeit bis heute keinen Abbruch getan.