Situierungen – Erzählung, Wissen, Imagination
摘要
Im Kontext der aktuellen Diskussion um das Gewicht und die Problematik sogenannter postfaktischer Artikulationen im öffentlichen Raum wird erstens ein Erzählverständnis skizziert, das die Unkontrollierbarkeit wie auch die Verwiesenheit unseres Sprechens auf geteilte semantische Ordnungen und auf die Verwicklungen von Macht- und Wissensansprüchen, Meinungen etc. herausstellt. In einem zweiten Schritt bildet die konstitutive Bedeutung der Imagination für das Erzählen wie für Prozesse der Erkenntnis- und Urteilsbildung den Ausgangspunkt, um die Verschiebung von einer Auseinandersetzung mit der Kontingenz von Wissensansprüchen oder Interessen im politischen Raum zur ‚post-truth‘-Debatte zu skizzieren. In diesem Zusammenhang kommen die aufklärerischen Versuche, über ‚wahr/falsch‘-Unterscheidungen etwa ‚alternative Fakten‘ zu delegitimieren, angesichts abgeschlossener ideologischer Identifikationen an ihre Grenzen. Der Verlust des Streits um unterschiedliche Meinungen und Begründungen im öffentlichen Raum wird im Beitrag mit der Abblendung des Moments der Imagination in Verbindung gebracht. Die irreduzible Situiertheit jeder Artikulation verweist abschließend auf die Möglichkeit, die Faktenrhetorik selbst als machtvolles Narrativ herauszuarbeiten.