Mehr Bewerberinnen durch inklusives Recruiting? Eine experimentelle Untersuchung der Wirkung gendersensitiver Stellenanzeigen auf die Female Talent Pipeline am Beispiel einer Agile Coach Stellenanzeige
摘要
Ein zentrales Problem für einen ausreichend großen Pool weiblicher Talente, die qualifiziert und bereit sind, (Schlüssel-)Positionen in Unternehmen zu übernehmen, stellt die Rekrutierung von Bewerberinnen dar, besonders für männlich dominierte Branchen und Funktionen. Zwei webbasierte Experimente erforschten deswegen, inwieweit eine Agile Coach Stellenanzeige einer führenden deutschen Online-Vergleichsplattform, die sprachlich gendersensitiv optimiert wurde, mehr qualifizierte Kandidatinnen zur Bewerbung motivieren kann und damit die female talent pipeline stärkt. Die Anpassungen bezogen sich auf die Beschreibung der Position und erforderlichen Anforderungen. In Experiment 1 zeichnete sich erwartungsgemäß bei Bewerberinnen ein größerer Zusammenhang zwischen ihrem subjektiv wahrgenommenen Eignungsprofil und ihrer Bewerbungsabsicht ab als bei Bewerbern (N = 120). Frauen reagierten positiver auf Stellenanzeigen, welche Anforderungen als wünschenswert (und nicht obligatorisch) beschrieben, Alternativen aufzeigten und ihre individuelle Biografie berücksichtigten. Männer bewerteten die genderunsensitive Stellenanzeige am besten, die gendersensitive Stellenanzeige am schlechtesten. Die postulierte generelle Steigerung der Bewerbungsabsicht durch eine gendersensitive Optimierung blieb somit aus. In Experiment 2 wurden die originale und die gendersensitive Stellenanzeige auf führenden Online-Jobplattformen real ausgeschrieben und die generierten Klicks und Bewerbungen mittels einer verdeckten Feldbeobachtung erhoben (N = 547). Die gendersensitiv optimierte Stellenanzeige erzielte jedoch nicht bedeutsam mehr Klicks oder Bewerbungen als die Originalanzeige. Erklärungen für die Befunde sowie praktische Implikationen für das Diversity Management werden diskutiert.