Gender-Sensibilität der journalistischen Technikberichterstattung – Explorative Einordnungen von Technikentwicklung sowie der Theorie, Ausbildung und Praxis von Technikjournalismus
摘要
Aktuelle wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Publikationen weisen auf Fehlentwicklungen von Technologien hin, die zum Beispiel durch Außerachtlassen anatomischer Unterschiede von Frauen oder monokausaler Ausrichtung an patriarchalen Mustern und Strukturen entstehen. Humanmedizin, Sicherheitstechnik in Kraftfahrzeugen oder Mobilitätskonzepte sind als Felder zu nennen. Ebenso wird im Kontext von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz die zu geringe Anzahl von Entwicklerinnen kritisiert und darauf hingewiesen, dass sich dies negativ in den Ergebnissen von Projekten niederschlägt. Technologien werden als Antwort auf empfundene Probleme entwickelt. In der Problemwahrnehmung, der Möglichkeit von Individuen sich als Betroffene eines Problems oder einer Entwicklung zu identifizieren und der Akzeptanz von technischen Lösungen spielt Kommunikation eine bedeutende Rolle. Medien und Journalismus sind als Intermediäre wesentlich an der Wahrnehmung von Technologien, der diskursiven Entwicklung oder sozialen Konstruktion von Technologiemärkten sowie als policy broker im Kontext von Technologievermittlung oder der Aushandlung von gesellschaftlichen Technikkonflikten beteiligt. Vor diesem Hintergrund erscheint die Diskussion um geschlechterdiskriminierende Technologieentwicklungen und die Kritik an der noch rudimentären Bezugsgröße Geschlecht in der Technikentwicklung oder die Bedeutung gesellschaftlicher Geschlechternormen im Zusammenwirken mit vorherrschenden Technikbildern für die Berufswahl von Frauen auch für die technik- und wissenschaftsjournalistische Praxis und Theorie relevant. Eine explorative Recherche des Studiengangs Technikjournalismus/Technik-PR der Technischen Hochschule Nürnberg aus dem Sommersemester 2020 weist auf ein Desiderat hin, das sowohl die theoretische Reflexion, die journalistische Praxis als auch die hochschulbasierende und die redaktionsgebundene (Fach)Journalismus-Ausbildung umfasst. Das hier skizzierte Forschungsprojekt GITJOU widmet sich diesem Desiderat, strebt eine Erhebung des Status quo der wissenschaftlichen Bearbeitung dieses Themas in der Journalismusforschung an und will Anschlussfähigkeiten an Forschungsgebiete der Science & Technology Studies, der Technikfolgenabschätzung und der Demokratietheorie ausleuchten.