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Der Streit um die Wissenssoziologie

  • Peter Stachel

摘要

Mit seinem Vortrag beim 6. Deutschen Soziologentag in Zürich 1928 und dem im darauffolgenden Jahr veröffentlichten Buch Ideologie und Utopie provozierte der aus Ungarn stammende, zu dieser Zeit an der Universität Heidelberg als Privatdozent tätige Karl Mannheim einen der großen Methodenkonflikte innerhalb der deutschsprachigen Soziologie. Auf Basis einer pluralistischen Ontologie postulierte Mannheim, dass sich (humanwissenschaftliches) Denken in Denkstilen vollziehe, die durch jeweils eigene Denkmodelle, Argumentationsformen und Begriffsbedeutungen bestimmt seien. Einen neutralen Punkt außerhalb dieser Denkstile gäbe es nicht, dementsprechend auch keine objektive Wahrheit. Mannheims Ideen erregten große Aufmerksamkeit und wurden einerseits als revolutionär und neuartig betrachtet, stießen aber auch auf heftige Ablehnung. Insbesondere marxistische Autoren kritisierten die Wissenssoziologie Mannheims als „bürgerlichen Relativismus“. Die einzige Kritik, zu der Mannheim ausdrücklich Stellung nahm, war jene des kulturkonservativen Romanisten Ernst Robert Curtius: Dieser behauptete, Mannheim versuche die Soziologie als neue Grundwissenschaft an Stelle der Philosophie zu etablieren und vertrete in Hinblick auf Werte eine nihilistische Position. Der „Streit um die Wissensoziologie“ endete ohne eine Synthese.