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Historische Soziologie als Orientierungswissen in der Zwischenkriegszeit: Alfred Weber, Norbert Elias und Franz Borkenau als Theoretiker von Langfristprozessen im Vergleich

  • Helmut Kuzmics

摘要

Die historisch-soziologischen Transformationstheorien von Alfred Weber, Norbert Elias und Franz Borkenau sind in der deutschsprachigen Soziologie der Zwischenkriegszeit entstanden. Will man ihre Eigenart verstehen, die sie von den Hauptströmungen der gegenwärtigen internationalen, aber auch der deutschsprachigen Soziologie nach 1945 abhebt, so ist diese ein Ergebnis sowohl der institutionalistischen Gliederung der soziologischen Gründergeneration als auch der sozialen Konstellationen mit den brennenden Fragen dieser Zeit, mit den Risken aus Vermarktlichung und Technisierung, den Abhängigkeiten aus Bürokratisierung und ihren seelischen Folgen sowie den politischen Krisen nach dem Krieg 1914–1918. Alfred Weber, Norbert Elias und Franz Borkenau sind als Theoretiker von historisch-soziologischen Langfristentwicklungen aber auch durch ihre gemeinsame Verortung in den sichtbar liberalen Hochschulorten Heidelberg und Frankfurt verbunden. Was waren die zeitdiagnostischen soziologischen Probleme, die sie behandelten, und wie weit gingen sie in die Geschichte als sozialen Prozess zurück, um sie zu lösen? Wie sehr gingen sie in ihren Analysen vergleichend vor, mit dem Ziel gemeinsame Merkmale in verschiedenen Epochen und Räumen zu finden, oder konzentrierten sie sich eher auf die unverwechselbaren Eigenschaften von als einmalig aufgefassten Prozessen? Wie gingen sie mit der Quellennähe ihrer Interpretationen um, oder wie stark formten sie diese theoretisch um? Wie standen sie zum Anspruch der Universalgeschichte, indem sie die Pfadabhängigkeit späterer Entwicklungen von zeitlich vorhergehenden plausibel machten? Antworten auf diese Fragen sollten auch für die Weiterentwicklung einer historischen Soziologie heute von Interesse sein.