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Einleitung: Historismus, Relativismus, Perspektivismus und die dadurch ausgelösten Fundierungsbestrebungen in der sich institutionalisierenden Soziologie der Zwischenkriegszeit

  • Stephan Moebius

摘要

Wie bereits vor dem Ersten Weltkrieg war das wissenschaftliche Feld der Zwischenkriegszeit vom Historismus und einem damit einhergehenden, vielfach als problematisch erachteten Relativismus bestimmt. Die Ausdifferenzierung, die Spaltungen und die empfundene Beliebigkeit der Fachdisziplinen sowie der Mangel einer letztgültigen Fundierung, Einheit, Ordnung und normativen Orientierung wurden als schwerwiegende Krisenphänomene der Wissenschaften wahrgenommen. Das Krisenempfinden war durch den Ausgang des Kriegs, auf den viele Intellektuelle 1914 noch als sinnstiftendes Moment gesetzt hatten, verstärkt worden und korrelierte mit den Kriegsfolgen und gesellschaftlichen Krisenerscheinungen nach 1918. Vermehrt setzten im wissenschaftlichen Feld Fundierungs-, Ordnungs-, Systematisierungs- und Synthetisierungsversuche ein, um dem „Relativismusproblem“ zu begegnen. Gerade in die Soziologie setzte man von hochschulpolitischer Seite zu Beginn der Weimarer Republik große Hoffnungen, eine solche Syntheseleistung zu vollbringen. Der Beitrag skizziert die „Krise des Historismus“, widmet sich unterschiedlichen soziologischen Antworten und Lösungsstrategien des Historismus- und Relativismusproblems und rekonstruiert schließlich mit Fokus auf Soziologiekonzepte von Ferdinand Tönnies und Karl Mannheim zwei Systematisierungs- und Ordnungsversuche der Soziologie um 1930.