Willkommen in der Herde!
摘要
Während ich dies schreibe, sitze ich auf meinem Lieblingsplatz, einer kleinen Holztreppe, von der aus ich den wichtigsten Bereich des Herdenlebens, die Heu-Raufen, überschauen kann. Es ist kalt. Die Tasse mit heißem Tee, die ich in Händen halte, wärmt kaum. Ich wünsche mir dieses flauschige, gut isolierte Winterfell der Pferde, auf dem noch der Raureif der Morgenstunden liegen geblieben ist. Wie ruhig sich die zehn Pferde um die Raufen versammelt haben und ihr Frühstück einnehmen. Und doch ist in der Ruhe auch Bewegung. Es gibt Pferde, die sich sehr frei und souverän von Raufe zu Raufe bewegen und kosten, wo die besten Kräuter, die energiereichsten Halme zu finden sind. Dies sind die ranghohen Herdenmitglieder. Entschlossen und gelassen zugleich nehmen sie Kurs auf die Raufe, während die Rangniederen ausweichen und sich einen anderen Platz suchen und dabei wieder andere verdrängen. Eine festgelegte Hackordnung? Nein, eine rangniedere Stute nähert sich, bleibt in zwei bis drei Metern Abstand stehen, senkt den Kopf ein wenig und wartet. Kurz darauf verlässt der Herdenchef die Raufe und macht ihr Platz. Ähnlich reagiert die Leitstute auf eine neu in die Herde Gekommene. Sie weicht ihr in großem Bogen aus, tänzelt dabei und spitzt die Ohren – schaut also durchaus freundlich drein und vermeidet offensichtlich den Kampf, den sie an anderer Stelle entschlossen und durchsetzungsfähig zu führen bereit ist. Und dann ist da noch der ranghohe Wallach, der sich dazwischenschiebt, als zwei Stuten Anstalten machen, in Streit zu geraten.