Indiens gefährdeter Zusammenhalt – Soziale Kohäsion, Ungleichheit und die Zukunft der Demokratie
摘要
75 Jahre nach der Unabhängigkeit steht Indien an einem Scheideweg. Das Land war seit seiner Unabhängigkeit ein seltenes Beispiel für gesellschaftliche Vielfalt und friedliche Koexistenz höchst unterschiedlicher sozialer Gruppen, das die von (zumeist) westlichen Beobachtern vorhergesagten Szenarien des Zerfalls und Niedergangs immer wieder widerlegt hat. Die hindu-nationalistische Politik der Regierung Modi gefährdet den Zusammenhalt der Gesellschaft und den Fortbestand der Demokratie. Die zunehmende Diskriminierung von religiösen Minderheiten, insbesondere von Muslimen, vertieft die Polarisierung der Gesellschaft und droht, das dynamische, aber fragile Gleichgewicht zwischen sozialer Fragmentierung und Demokratie aus der Balance zu bringen, das bislang ein wichtiger Garant für die soziale und politische Stabilität des Landes war. Die wachsende politische und religiöse Polarisierung der Gesellschaft lenkt den öffentlichen Diskurs zudem von wichtigen Themen wie Gesundheit, Bildung, Beschäftigung und der Bekämpfung der nach wie vor weitverbreiteten Armut und Ungleichheit ab. Gegenwärtig stehen die „unnatürliche Nation“ und seine „unwahrscheinliche Demokratie“ deshalb erneut vor einer neuen großen Bewährungsprobe.