Muslimische Gläubige und religiöse Bildung – Ihre Bedeutung in der indischen Gesellschaft
摘要
Der im Folgenden dargestellte Bereich der indischen Gesellschaft findet hierzulande weder in den Medien noch im wissenschaftlichen Betrieb gebührend Berücksichtigung und dies ungeachtet der tiefgreifenden Wechselbeziehungen zwischen muslimischen Kulturträgern und Hindus, die bereits seit frühislamischer Zeit bestehen und die sowohl das Hindutum als auch den Islam in Südasien sowie – seit 1947 – das säkulare Indien nachhaltig geprägt haben. Hier sind sich, wie auch anderswo, Minderheit und Mehrheit begegnet, haben sich voneinander abgegrenzt, ergänzt oder gegenseitig konzeptualisiert und somit stets ein kulturelles und äußerst komplexes Ensemble gebildet. In den Interaktionen treten Gruppenbildungsprozesse zum Vorschein, die je nach Interessenlagen der Fraktionen in ethnischer, sprachlicher und politischer Hinsicht variieren können. Religiosität wird dabei zum sprachlichen und symbolischen Ausdruck verschiedener Verhandlungsprozesse zwischen Mehrheit und Minderheit, Religion zum ordnungspolitischen Interpretationsrahmen gesellschaftlicher Realität. Das heißt, dass das religiöse Repertoire funktionalen Charakter hat und sich also dem Kontext anpasst.