Indien und seine Entwicklungszusammenarbeit
摘要
Worin steuert die indische Entwicklungszusammenarbeit? War Indiens Entwicklungspolitik in den ersten Jahrzehnten nach der Unabhängigkeit von den ‚klassischen‘ Instrumenten des Capacity Buildings und der direkten Finanz- und Sachhilfen geprägt, rückten nach der wirtschaftlichen Liberalisierung nach und nach die Lines of Credit in den Vordergrund. Mit dem ansteigenden Außenhandel und den steigenden ausländischen Direktinvestitionen wurden zudem diese beiden Bereiche, die Neu-Delhi ebenfalls als Teil seiner Entwicklungszusammenarbeit sieht, immer bedeutender. Zwar sind auch die Budgets für Indiens ‚klassische‘ Instrumente gestiegen; für die heutige Entwicklungszusammenarbeit wäre eine alleinige Betrachtung von Haushaltszuweisungen allerdings zu kurz gegriffen. Angesichts des enorm steigenden Handelsvolumens mit dem Globalen Süden und der milliardenschweren Kreditlinien muss der relative Bedeutungsgewinn der indischen Außenwirtschaftsinstrumente gegenüber den klassischen Komponenten der indischen Entwicklungspolitik als klarer Trend diagnostiziert werden, der sich aller Voraussicht nach fortsetzen wird. Die Herausforderung wird sein, eine gewisse Balance zu wahren, damit die indische Politik gegenüber dem Globalen Süden nicht gänzlich ununterscheidbar wird von jener Chinas oder der westlichen Staaten. Wenn die Entwicklung der Beziehungen Neu-Delhis zu seinen Partnern im Globalen Süden auf eine fortschreitende Ökonomisierung der Süd-Süd-Kooperation hinausläuft, untergräbt diese Entwicklung allmählich das normative Fundament, auf dem ebenjene aufbaut – und die Beschwörung der ehernen Bandung-Prinzipien wird zunehmend hohl klingen. Es bleibt abzuwarten, ob Neu-Delhi in der Lage sein wird, diese kognitive Dissonanz aufzulösen.