Eine Matrix indischer Kulturstandards – Wie können wir Indien verstehen?
摘要
Indien ist ein Subkontinent der Widersprüche: archaische Kulturmuster und modernste Technologie, Ochsenkarren gegenüber Digitalisierung, bitterste Armut neben unermesslichem Reichtum, kreatives Chaos gegenüber strikten Familienordnungen, unzählige Sprachen und Religionen – und dennoch ein Einheitsbewusstsein, ein Kulturstolz, der sich abgrenzt und doch zugleich das je Andere zu vereinnahmen in der Lage ist. Indien, dessen gut funktionierende Institutionen – Militär, Verwaltung, Bildungswesen, Bahn, Post – vom kolonialen Erbe geprägt sind und doch eine moderne nationale Entwicklung gestützt haben; Indien, das gelegentlich an Bürokratie zu ersticken droht und doch Feste und Pilgerschaften organisieren kann, die bis zu 20 Mio. Menschen transportieren, auf engem Raum zusammenführen und ernähren; Indien, das für so viele unerträglich widersprüchlich und doch unendlich faszinierend zugleich ist … Was hält diese Welt zusammen? Warum bricht dieses heterogene Staatengebilde nicht auseinander? Handelt es sich überhaupt um eine Nation oder um mehrere? (Diese Frage ist nicht neu, sondern bereits Ende des 19. Jahrhunderts gestellt worden. Dazu Ainslie T. Embree, Utopias in Conflict. Religion and Nationalism in Modern India, Delhi: Oxford University Press 1992.) Immer wieder in der Zerreißprobe – ökonomisch, ökologisch, religiös – und doch nicht zerrissen.