Die Besonderheiten und Merkmale des Theaterbetriebs
摘要
Im zweiten Kapitel werden die Besonderheiten des öffentlichen Theaterbetriebs im deutschsprachigen Raum vorgestellt, der neben den deutschen auch die österreichischen und die Theater in der deutschsprachigen Schweiz (DACH-Region) umfasst. Die deutsche Theaterlandschaft im Besonderen wird geprägt durch eine föderalistische Kulturpolitik der Länder und Kommunen. Sie ist horizontal und vertikal gegliedert durch eine Teilung zwischen öffentlichen, privaten und freien Theatern/Gruppen sowie durch eine Typisierung zwischen den öffentlichen Theatern selbst. Hervorzuheben ist der gesellschaftliche Auftrag des Theaters, der weit über die Entwicklung und Präsentation neuer Inszenierungen hinausgeht, die in den abendlichen Vorstellungen gezeigt werden. Als Kulturorganisation übernimmt es auch soziale und Bildungsaufgaben, die unerlässlich sind für jede demokratische Gesellschaft. Theater ist zudem ein öffentliches Gut das für jeden Menschen leicht zugänglich und erschwinglich ist, wobei die zu entrichtenden Preise nur einen Bruchteil der tatsächlichen Vorstellungskosten decken, die von den Kommunen (Stadt- und Landestheater) und den Bundesländern (Staatstheater) zu durchschnittlich 85% subventioniert werden. Die staatlich geförderten Kartenpreise sollen Theaterbesuche, die Auseinandersetzung der Bürger*innen mit dem gezeigten Programm und damit die Bildung von Menschen aller Altersgruppen anregen. Theater sind zugleich künstlerische wie auch wirtschaftliche Betriebe, in vielen kleineren und mittleren Städten zählen sie zu den größten Arbeitgebern und schaffen je nach Theater zwischen 100 und 1.000 Arbeitsplätzen. Sie stärken zudem erheblich die Wirtschaftsleistung und Attraktivität der Kommunen und Regionen durch den Tourismus und die wirtschaftliche Umwegrentabilität. Hervorzuheben sind das Intendantenprinzip: Jedem Theater steht ein künstlerischer Leiter vor, der als Intendant bezeichnet wird und damit automatisch die Aufgaben eines CEO übernimmt. An der Allmacht der Intendanten hat sich allerdings seit Jahren eine erhebliche Kritik entzündet, vor allem in den Theatern, in denen Intendanten ihre Macht nicht sensibel genug einsetzen. Dort kam es in den letzten Jahren vermehrt zu sofortigen Beurlaubungen und Entlassungen von Intendanten durch die Kommunen und Bundesländer (wie z.B. Volkstheater Rostock, Volksbühne Berlin, Berliner Festspiele, Staatstheater Darmstadt, Cottbus, Karlsruhe und Wiesbaden, Theater Trier, Oper Erfurt u.a.).