Wie sich die Grundwerte durchsetzen. I. Kräfte und Prozesse
摘要
Welche Chance haben die gesellschaftlichen Grundwerte und die auf diesen basierenden Menschenrechte, weltweit Anerkennung zu erlangen? Man kann diese Frage auch allgemeiner formulieren: Wie sieht es mit der mittel- und langfristigen Zukunft der Menschheit aus: gibt es einen Fortschritt, einen Trend zur Höherentwicklung, gibt es eher den gegenteiligen Trend zu einer zunehmenden Verschlechterung, oder kann man weder vom einen noch vom anderen sprechen, nur von einem Auf und Ab, von zyklischen Wandlungsprozessen? Ausgangspunkt des hier entwickelten Ansatzes ist eine starke These von Kant. Dieser postulierte einen langfristig positiven Trend, der sich aus den negativen Folgen der natürlichen, individualistischen Neigungen und Handlungen der Menschen (Ehrsucht, Habsucht, Herrschsucht) ergibt. Da die Menschen jedoch zu Zusammenarbeit gezwungen sind, müssen sie sich auf gemeinsame Regeln einigen. Diese setzen sich langfristig - wenn auch oft erst als Folge zerstörerischer Ereignisse und Prozesse - durch, weil sie letztlich allen zugute kommen. Dieser Ansatz von Kant lässt sich klar von geschichtsphilosophischen und evolutionstheoretischen Ansätzen (wie bei Hegel, Comte, Spengler, Elias) abgrenzen, die universelle Trends postulieren, bei denen individuelle Akteure keine entscheidende Rolle spielen. Im Sinne dieser Grundthese werden in diesem Kapitel die zentralen Akteure und Prozesse bei der Durchsetzung der gesellschaftlichen Grundwerte herausgearbeitet. Erstere umschließen drei Gruppen - Ideengeber, soziale Aktivisten, charismatische, mächtige politische Persönlichkeiten -, letztere tiefe soziale Krisen, Kriege und Revolutionen. Dazu kommen kontinuierliche Prozesse des sozialen Wandels als Folge wissenschaftlich-technolgischer Innovationen und interkultureller Diffusion. Es wird auch argumentiert, dass das Tempo der Durchsetzung von grundlegenden sozialen Innovationen für deren Anerkennung und Dauerhaftigkeit eine entscheidende Rolle spielt.