Eine soziologische Theorie der gesellschaftlichen Grundwerte
摘要
In diesem Kapitel werden die begrifflichen Instrumente und ein theoretischer Ansatz zur Bestimmung der gesellschaftlichen Grundwerte herausgearbeitet. Ausgangspunkt dafür ist die von Max Weber entwickelte Idee der Soziologie als Wirklichkeitswissenschaft. Ihre Grundprinzipien lauten, dass soziales Handeln sowohl deutend zu verstehen wie auch statistisch-kausal zu erklären ist. Die Methode dafür ist die Situationsanalyse (Popper), die Handeln immer aus der Logik einer Situation erklären muss, wie sich diese in den Augen der Akteure darstellt. Hierbei spielen Werte eine zentrale Rolle als leitende Gesichtspunkte. Als Elemente von Welt 3, der Welt der Ideen (Popper) bleiben Ideen immer bestehen, wenn sie erst einmal in die Welt gesetzt wurden. Eine Konkretisierung des Weberschen Ansatzes stellt die historische Soziologie dar, für welche Typenbildung, Bestimmung von Kausalfaktoren in sozialen Prozessen und Pfadabhängigkeit die Grundprinzipien darstellen. Auf dieser Basis kann man vier Typen sozialer Gesetzmäßigkeiten unterscheiden: universelle (bio-)soziale Gesetze, soziale Strukturgesetze, soziologische Gesetze und gesamtgesellschaftliche Gesetzmäßigkeiten. Eine wichtige Implikation dieses Ansatzes lautet, dass zwischen Interessen und Werten kein schroffer Gegensatz besteht (Mead). Vielmehr können gesellschaftliche Grundwerte definiert werden als Schnittpunkte zwischen Grundbedürfnissen und gesellschaftlichen Funktionsprinzipien (Gemeinwohl); als Werte werden insbesondere jene Interessen anerkannt, welche soziale Grundbedürfnisse, Bedürfnisse und Interessen sozial schwacher Gruppen und gesamtgesellschaftliche Funktionserfordernisse betreffen.