Räume und Grenzen
摘要
Die gegenwärtigen Border Studies betrachten nach der konstruktivistischen Wende Grenzen und Grenzziehungen als ‚soziale Praxis mit Raumbezug‘. Am Leitfaden der ‚Theorie der drei Räume‘ in Anlehnung an die ‚Drei-Welten-Theorie‘ von Popper werden die soziologischen Überlegungen zu Raum und Grenzen von Georg Simmel untersucht. Dabei zeigt sich, dass in dessen Zentrum nicht das Individuum (‚Raum 2‘), sondern das Soziokulturelle (‚Raum 3‘) steht – ein Befund, der typisch für Soziologie und Sozialwissenschaften ist, aber auch für die Mehrzahl kursierender Raumtheorien. Ein Blick auf die Überlegungen von Ralf Dahrendorf zu Freiheit, offener Gesellschaft, offenen Grenzen und Lebenschancen zeigt erstens eine Herausstellung der Bedeutung des Individuums, damit von ‚Raum 2‘, zugleich einige Inkonsistenzen und Brüche in der Frage nach Grenzen und Grenzziehungen. Die Ausführungen schließen mit einem Plädoyer für ein neopragmatisch gerahmtes Forschungsprogramm zur Grenzraumforschung, in dessen Zentrum das Individuum steht, sowie die Möglichkeit, die Vielfalt der Raum-, Grenz- und Grenzraumtheorien in ihrer Multiperspektivität zu integrieren und mögliche Inkonsistenzen am Leitfaden einer grundsätzlichen Kontingenzsensibilität im Hinblick auf potentielle Erkenntnisgewinne aufzuheben.