Norm, soziale
摘要
Soziale Normen als mehr oder weniger verbindliche Regeln, die das Handeln von individuellen und kollektiven Akteuren anleiten, sind ein wesentlicher Gegenstand der soziologischen Theorie und empirischen Sozialforschung. Das Interesse an sozialen Normen basiert darauf, dass in der Soziologie klassischerweise davon ausgegangen wird, dass eine Gesellschaftsordnung auf normativer Integration basiert. In der Durkheim-Parsons-Tradition wird Gesellschaft als „patterned normative order through which the life of a population is collectively organized“ (Parsons 1966: 10) verstanden. Demnach erklärt sich gesellschaftliche Integration wesentlich dadurch, dass soziale Normen als äußere bzw. innere Verhaltensdeterminante wirksam werden. Büßen soziale Normen ihre verhaltenssteuernde Wirkung ein – etwa aufgrund sozialen Wandels oder des Geltungsverlustes überkommener Werte – droht ein Zustand, der nach Émile Durkheim (1858–1917) als Anomie bezeichnet wird. Das Primat einer normativen Integration von Gesellschaft ist aus unterschiedlichen Theorieperspektiven herausgefordert worden. Die Rational Choice-Theorie verweist etwa auf soziale Gleichgewichtszustände, die sich im Zuge sozialer Austauschprozesse einstellen und die Systemtheorie auf die Koordinationsleistung funktionaler Differenzierung. Auch wenn die Integrationsbedeutung sozialer Normen unterschiedlich bewertet wird, gehört die Vorstellung einer zumindest in Teilen „normativen Konstruktion von Gesellschaft“ (Popitz 1980) zum Grundverständnis der Disziplin.