Jugend
摘要
Jugend ist weder unmittelbar eindeutig bestimmbar noch selbstverständlich: Altersmäßig junge Menschen gibt es in jeder Gesellschaft, Jugend nicht. Sie ist eine stark extern von „der“ Erwachsenengesellschaft, „den“ Wissenschaften (Soziologie, Psychologie, Pädagogik, Politik, Jurisprudenz) und kulturell definierte Kategorie. Jugend wurde zu einer relativ eigenständigen Lebensphase mit inzwischen relativ unscharfen Altersgrenzen und starker interner Differenzierung: Durch Jugendteilkulturen/Szenen, Geschlecht, Migration, ethnische und soziale Herkunft. Die Jugend der Gesellschaft gibt es nicht. Dafür mehrere „gesellschaftsgeschichtlich situierte und intern differenzierte Jugenden“ (Scherr 2009: 332). Aufgrund der Fragmentierung wird auch von einer tendenziellen Entstrukturierung von Jugend (Hitzler et al. 2001) gesprochen. Dazu kommt, dass Jugend „als Merkmal eines einzelnen Individuums oder als Handlungssystem in einer Gesellschaft gefasst werden“ kann (Griese 2014: 26). Das sollte aber nicht zu einer überindividualisierenden Betrachtung führen. Jugendliche praktizieren, wie Forschung zur Bildungsungleichheit (Becker 2011) oder zur Körper- und Intimitätspraxis (Otte 2007) zeigt, auch habituell (mit-)bedingte Verhaltensmuster, die auf den (groß-)gruppentypischen Habitus der Herkunftsmilieus bzw. der Teilkulturen oder Szenen und die damit verbundenen legitimen Praxisformen zurückgehen. Eine umfassende, allgemein verbindliche Definition ist daher weder angemessen zu leisten noch wird sie dem Phänomen Jugenden gerecht. Jugend ist eine gesellschaftliche Kategorie, „beschreibt ein Generationsverhältnis kultureller und institutioneller Zuschreibungen“ und „ist in erster Linie eine Beziehungskategorie“ (Groenemeyer 2014: 56). Möglich ist daher eine Analyse von Kriterien, in denen sich das Relationale von Jugend als gesellschaftlicher Kategorie niederschlägt.