Interaktion
摘要
Als Interaktion wird eine soziale Beziehung bezeichnet, die sich aus der wechselseitigen Orientierung von Akteuren ergibt. Dieser Begriff wird in einer engen und in einer älteren, weiten Bedeutung gebraucht. Die weite Bedeutung findet sich in der frühen amerikanischen Soziologie, beispielsweise bei Ch. H. Cooley (1864–1929) (Cooley 1902) oder G. H. Mead (1863–1931) (Mead 2000) bis hin zur zeitgenössischen Theorietradition des Symbolischen Interaktionismus. Sie versteht unter „Interaktion“ diejenigen sozialen Beziehungen, die relevant für die Aushandlung von Situationen, die Konstruktion von sozialen Bedeutungen und für die Bildung der Identität und des „Selbst“ von Subjekten sind. Dieser Interaktionsbegriff beruft sich seinerseits auf solche Konzepte wie das der „Wechselwirkung“ von G. Simmel (1858–1918), die ebenfalls die Relationen zwischen Individuen in das Zentrum ihrer Forschungen stellen. In der späteren Theorie- und Begriffsgeschichte wird dieser weite Begriff in der Weise verengt, dass der Kontext der sozialen Beziehung näher spezifiziert wird. Dabei lassen sich insbesondere drei spezifische Ausrichtungen unterscheiden, die miteinander kompatibel sind. In einer kommunikations- und medientheoretischen Fundierung werden die verbale Kommunikation bzw. das Gespräch als zentrales Merkmal von Interaktionen ausgewiesen. Im Unterschied zur schriftlichen, massenmedialen oder generell mediatisierten Kommunikation hat die mündliche Kommunikation bestimmte Struktur- und Prozesseigentümlichkeiten wie die Anzeige von Sprecherrollen und von „turn takings“ oder die Bedeutung von nonverbalen oder prosodischen Komponenten für das Verständnis des Gesagten. Eine solche Auffassung wird beispielsweise in der Konversationsanalyse (Sacks 1995) oder der linguistischen Gesprächsforschung vertreten. Eng mit einer solchen Ausrichtung ist die eher phänomenologische Auffassung verbunden, dass Interaktionen soziale Beziehungen sind, die sich in einer engen zeitlich-räumlichen Ko-Extension reproduzieren. Interaktion ist Kommunikation unter den Bedingungen der Ko-Präsenz, der unmittelbaren physischen Begegnung oder der face-to-face-Beziehung der Akteure (Goffman 1961), also der Gleichzeitigkeit und Gleichörtlichkeit ihres Handelns. Die Anwesenheit der Akteure in der kommunikativen Situation ist damit das entscheidende Kriterium der Interaktion, die damit über ein Potenzial verfügt, die Präsenz der Akteure für die Möglichkeiten und Kontrolle dessen zu nutzen, was kommuniziert wird. Da die kommunikative Anwesenheit ein zentrales Merkmal vieler Formen sozialer Beziehungen ist, wird in einer dritten, mikrosoziologisch argumentierenden Richtung die Position vertreten, dass „einfache Sozialsysteme“ (Luhmann 1975b) wie beispielsweise personale Beziehungen (Lenz 2009), Intimbeziehungen, Freundschaften, Nachbarschaften, professionale Arbeitsbeziehungen, Musikkonzerte, Fußballspiele, Schulunterricht und viele andere mehr, die sich meist unter den Bedingungen der Anwesenheit der Akteure reproduzieren, als interaktive soziale Beziehungen bestimmt werden können. Sie sind abzugrenzen gegen solche Beziehungen, in denen weder die Kommunikation noch die Mitgliedschaft auf Anwesenheit oder Ko-Präsenz beruhen. Die Abgrenzung gegen andere soziale Gebilde wird damit begründet, dass solche einfachen Sozialsysteme besondere Merkmale aufweisen, beispielsweise eine hohe Konfliktanfälligkeit, eine starke emotionale Dichte, eine besondere soziale Nähe der Interaktionspartner oder eine große soziale Kontrolle, die oft mit der Notwendigkeit verbunden ist, in der Kommunikation bestimmte Identitätsarbeiten verrichten zu müssen. Solche einfachen Sozialsysteme weisen gegenüber komplexeren Sozialformen zudem auch die Eigentümlichkeit der sequenziellen Bearbeitung von Aufgaben oder der Festlegung von Themen auf. Sie sind deshalb mit einer geringeren Arbeitsteilung und operativen Komplexität verbunden sind. Die kommunikativen Formen in solchen Interaktionen weisen zudem eine spezifische Ordnung auf, die als Drama, Spiel und insbesondere als Ritual (Goffman 1999; Collins 2004) beschrieben wird.