Anomie
摘要
Der aus dem Griechischen entlehnte Begriff (a-nomos) bezeichnet wörtlich den Gegensatz oder die Abwesenheit von Gesetz und Ordnung und wurde von Emile Durkheim (1858–1917) zur Analyse sozialer Probleme, insbesondere abweichenden Verhaltens, infolge gesellschaftlicher Modernisierung verwendet. Seine weitere Verwendung in der Soziologie wurde maßgeblich von Robert K. Merton (1910–2003) geprägt, der Anomie mit den Folgen sozialstruktureller Ungleichheit in Verbindung brachte. Für die Kriminalsoziologie und Gewaltforschung ist Anomie bis heute ein wichtiger Begriff geblieben. Sowohl bei Durkheim als auch bei Merton ist Anomie eine Eigenschaft der Makroebene von Gesellschaften, während entsprechende individuelle Wahrnehmungen häufig als „Anomia“ bezeichnet werden. Unter diesem Begriff wird in der Umfrageforschung jedoch eher politische Entfremdung und Machtlosigkeit gemessen.