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Charisma

  • Gert Albert

摘要

Charisma ist ein von Max Weber (1864–1920) prominent in die Soziologie eingeführter Begriff. Er steht neben anderen Begriffen wie bspw. Bürokratie im Zentrum seiner Herrschaftssoziologie, und kann, da wir in vielen Bereichen des sozialen Lebens Herrschaftsphänomene finden, überall dort auch relevant werden. Weber definiert den Begriff zunächst folgendermaßen: „‚Charisma‘ soll eine als außeralltäglich […] geltende Qualität einer Persönlichkeit heißen, um derentwillen sie als mit übernatürlichen oder übermenschlichen oder mindestens spezifisch außeralltäglichen, nicht jedem andern zugänglichen Kräften oder Eigenschaften [begabt] oder als gottgesandt oder als vorbildlich und deshalb als ‚Führer‘ gewertet wird“ (Weber 1980: 140). Charisma bedeutet dabei wörtlich ‚Gnadengabe‘ – Gnade ‚Zuwendung des Heils ohne Verdienst‘ –, was darauf verweist, dass Charisma in der Geschichte oft als eine Eigenschaft aufgetreten ist, die dem Charisma-Träger seinem eigenen Anspruch nach von einem Gott (oder Göttern) zwecks Bewältigung einer Mission übertragen wurde. Was bei dieser Definition weiterhin deutlich wird, ist zum ersten, dass Charisma eine objektiv beidseitige soziale Beziehung von Befehl und Gehorsam zwischen Führer und Geführten begründet: dem Legimititätsanspruch des Charismatikers entspricht dabei der Legitimitätsglauben auf Seiten seiner Gefolgschaft; zum zweiten, dass das Charisma in seiner qualitativen Eigentümlichkeit im Wesentlichen eine subjektive Zuschreibung der Gefolgschaft des Charisma-Trägers darstellt. Charisma kommt dann teilweise auch ohne übernatürliche Wesen aus: Die Zuschreibungen der Gefolgschaft von Charismatikern reichen von übernatürlichen Kräften, wie sie etwa Religionsstiftern oft von ihren gläubigen Anhängern zugesprochen werden, bis hin zu außergewöhnlichen Begabungen, die etwa einem Literaten von dessen Schülern aufgrund seiner literarischen Produkte zugeschrieben werden können.