Fractured Memory Regimes and Populist Mnemonic Warriors in Germany and Poland
摘要
Im Kontext des zunehmenden Populismus und Illiberalismus in Osteuropa nach dem Ende des Kommunismus untersucht dieser Beitrag die Erinnerungspolitik in Deutschland zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution und der Deutschen Einheit. Unter Verwendung von akteurzentrierten Ansätzen in der Politikwissenschaft wird argumentiert, dass die deutsche Erinnerungspolitik aufgrund des Aufstiegs der „mnemonic warriors“ der Rechtsaußen-Partei Alternative für Deutschland (AfD) von einem weitgehend konfliktfreien Erinnerungsregime in 2009/10 zu einem konfliktreichen Regime in 2019/20 übergegangen ist. Methodisch baut dieser Beitrag auf der Forschungsstrategie des gepaarten Vergleichs mit Deutschlands östlichem Nachbarn Polen unter der rechtsgerichteten Regierung von Recht und Gerechtigkeit (PiS) auf und analysiert den deutschen Fall durch den vergleichenden Blick auf Polen als Vorläufer und „most different“ Beispiel in Osteuropa. Die Analyse öffentlicher Gedenkveranstaltungen und der Diskurs der Rechtsaußen-Akteure in beiden Ländern im Jahr 2019/20 beleuchtet die antagonistischen Politiken der AfD und PiS sowie ihre nationalistischen und populistischen Neuinterpretationen der demokratischen Transformation als Beispiel für nationales (Wieder-)Erwachen, das durch „antinationalistische“ liberale Eliten gefährdet wird. Indem er die Parallelen zwischen den mnemonischen Strategien von PiS und AfD trotz unterschiedlicher Kontextbedingungen herausarbeitet, zeigt der vergleichende Blick, dass die Auseinandersetzung um die Bedeutung von 1989 weitgehend unabhängig von den tatsächlichen Modi des Systemwechsels und der derzeitigen relativen Machtposition der extremen Rechten ist. Konzeptuell trägt dieser Beitrag weiter zu politischen Ansätzen zur Erinnerung bei und betont die Handlungsmacht hinter den Narrativen über die Vergangenheit.