Totalitarianism as Defensive Memory of the Transformation: Unpacking a Czech Mnemonic Conflict
摘要
Dieses Kapitel zeichnet nach, wie das Konzept des Totalitarismus in der tschechischen Erinnerungspolitik verwendet wurde. Die erste Hälfte des Beitrags skizziert kurz die Geschichte des Begriffs von 1989 bis heute, während sich die zweite Hälfte auf eine Medienkontroverse aus dem Jahr 2020 konzentriert, die durch ein Interview mit dem Historiker Michal Pullmann ausgelöst wurde. Im Gegensatz zu Polen oder Deutschland, wo nationalistische, populistische und rechtsextreme Kräfte die Erinnerung an 1989 als ‚unvollendete‘ Revolution und Verrat konstruieren, sind populistische Kräfte in der Tschechischen Republik im Allgemeinen weniger an der Inszenierung von mnemonischen Konflikten über die Vergangenheit interessiert. Die Verfechter des Diskurses des Totalitarismus sind eher eine liberale und konservative Rechte, die nicht unbedingt unter der Schirmherrschaft einer bestimmten Bewegung oder Partei vereint sind. Das Kapitel analysiert, angelehnt an das Konzept der Erinnerungspolitik von Bernhard und Kubik, Printmedien, die sich an der Pullmann-Debatte beteiligt haben. Es zeigt, dass das Gedächtnis des kommunistischen Regimes als totalitär – und daher als etwas, das aktiv zu verurteilen ist – von überwiegend konservativen Kommentatoren verwendet wurde, um eine defensive Erinnerung an die demokratische Transformation nach 1989 zu konsolidieren, die sie als von populistischen Kräften bedroht empfanden.