Topos Straßenkindheit: Zum disziplinären Gedächtnis der Kindheitsforschung
摘要
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fokussierte sich die interdisziplinär ausgerichtete Kinderforschung im Prozess der Urbanisierung auch auf Konfigurationen städtischer Lebensweisen proletarischer und armer Kinder. Forscher:innen interessierten sich besonders für öffentliche Räume (Quartiere und Straßen), weil sich ihr Wandel im Kontext des Modernisierungsprozesses sowohl kulturell als auch sozial auf die Stadtkindheit westlicher Gesellschaften ausgewirkt hat. In meinem Beitrag arbeite ich nicht nur heraus, auf welche Weise sich um das Thema Stadtkindheit ein disziplinäres Gedächtnis zu bilden begonnen hat, sondern gehe dem Topos Straßenkindheit auch als Form urbaner Kindheit in ausgewählten Schriften Janusz Korczaks nach. Die Beiträge des polnischen Pädiaters, Schriftstellers und Pädagogen (1878/79–1942) sind zwar in Hinblick auf ihre Titel bekannt, waren bisher für einen breiteren Leser:innenkreis aus der Kindheitsforschung aber weniger attraktiv. Es wird sich zeigen, wie er Straßenkinder wahrgenommen und beschrieben hat. Außerdem möchte ich in diesem Rahmen die Frage beantworten, inwiefern die Archivierung seiner Kinderbeobachtungen einen Beitrag zu einer rekonstruktiven Lesart von proletarischer bzw. ostjüdischer Kindheit in der Stadt leistet.