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Kinderrechte zwischen Paternalismus und Autonomie. Das Unbehagen an der Erziehung und die Ambivalenz der Kinderrechte

  • Stefan Weyers

摘要

Viele Kontroversen über Kinderrechte betreffen das Spannungsverhältnis von Paternalismus und Autonomie. Nach den klassischen Erziehungstheorien resultiert die Erziehungsbedürftigkeit des Kindes aus seiner ‚Unmündigkeit‘; hingegen werden Kinder in der Antipädagogik und in Teilen der Kinderrechtsbewegung bereits als ‚mündig‘ angesehen. Auch in aktuellen Diskursen über Kinderrechte werden die Notwendigkeit und Legitimität von Erziehung infrage gestellt, so z. B., wenn jedes vormundschaftliche Handeln abgelehnt, völlige Gleichberechtigung zwischen den Generationen gefordert oder Kindern ‚Mündigkeit‘ zugeschrieben wird. Solche Deutungen belegen das große Unbehagen an der Erziehung. Im Beitrag werden Kritiken des pädagogischen Paternalismus unter Rückgriff auf Ansätze der pädagogischen Ethik, die Pädagogik Korczaks und die Rechtsstruktur der Kinderrechte diskutiert. Dabei wird zu zeigen versucht, dass das Spannungsverhältnis zwischen dem Recht des Kindes auf Selbst- und Mitbestimmung sowie der Verpflichtung Erwachsener zum Schutz des Kindeswohls, welche paternalistisches Handeln einschließt, unauflösbar ist. Weder ist es plausibel, Kindern völlige Autonomie (und damit identische Rechte) zuzuschreiben, noch ihnen die Fähigkeit zu Mitwirkung und Mitbestimmung abzusprechen. Entscheidend ist vielmehr der verantwortliche, entwicklungsförderliche Umgang mit der Macht, die die Erwachsenen haben – ob sie es wollen oder nicht.