Die Bedeutung des Own-Race Bias für Zeugenaussagen
摘要
Eine zentrale Frage der Wahrnehmungspsychologie ist, inwiefern die Wahrnehmung des Menschen von seiner Umwelt geprägt wird, zu der auch die jeweilige kulturelle Lebenswelt gehört. Eine Relevanz für die Polizeiarbeit entfaltet sich hier insbesondere im Hinblick auf die Personenwahrnehmung. Es konnte vielfach nachgewiesen werden, dass Gesichter von Personen, die der eigenen ethnischen Gruppe angehören, mit höherer Wahrscheinlichkeit korrekt identifiziert werden als Gesichter von Personen aus einer fremden ethnischen Gruppe. Dieses Phänomen wird als „own-race bias“ bezeichnet und lässt sich im Wesentlichen als ein solches der visuellen Wahrnehmungsexpertise auffassen, in das aber auch sozial-kognitive und motivationale Faktoren hineinspielen. Besonders mit Blick auf potenziell fälschliche Identifizierungen in Folge unterschiedlicher ethnischer Hintergründe von Augenzeug:innen und Täter:innen ist der own-race bias ein Problem, das im Bewusstsein von Polizeibeamt:innen verankert sein sollte, wenn sie als Ermittlungspersonen der Staatsanwaltschaft fungieren. Nur in sehr beschränktem Maß lässt sich hier fehlerreduzierend eingreifen, etwa im Hinblick auf die Fairness bei der Auswahl der Vergleichs- bzw. Füllpersonen bei Gegenüberstellungen. Im Übrigen müsste letztlich die Beweiskraft von interethnischen Identifizierungen relativiert werden, solange es keine Kriterien oder Standards gibt, um die Genauigkeit von Personenidentifizierungen gerade in solchen Konstellationen besser abschätzen zu können.