Ethik in Echtzeit: Herausforderungen für die Terrorberichterstattung unter digitalen Vorzeichen am Beispiel von #wienterror
摘要
Am 2. November 2020 ereignete sich in Wien ein terroristisches Attentat, bei dem vier Menschen getötet und mehr als 20 Menschen verletzt wurden. Schon unmittelbar nach dem Attentat kursierten im Internet Bilder und Videos, auf denen Ausschnitte des Tatverlaufs zu sehen waren – unter anderem der Attentäter, fliehende Menschen, Opfer des Angriffs, tödliche Schüsse und Festnahmen von Verdächtigen. Dieses Material wurde im Lauf der Terrornacht nicht nur in sozialen Netzwerken, sondern auch auf Portalen einiger redaktioneller Medien wie oe24.tv und krone.at gezeigt. Die Veröffentlichungen sorgten für empörte Reaktionen und führten zu Diskussionen über Standards in der Berichterstattung über Terrorismus und über Sanktionen für unangemessenen Sensationsjournalismus. Der auf sozialen Medien verwendete Hashtag #wienterror bündelt eine kaum zu überblickende Vielzahl dieser Wortmeldungen und lässt sich damit rückblickend als Chiffre für eine medienethische Debatte zur Verantwortung des Journalismus lesen, die nicht nur in Österreich einen langen Nachhall fand.