Transformation als Polykrise
摘要
Die große Erzählung des Fortschritts ist jene eines stetig steigenden Wohlstands für alle. Tatsächlich stellt sich heute diese Erzählung immer mehr als Illusion dar. Dieses Kapitel fokussiert sich auf eine Entwicklung, die schon vom Sozialanthropologen Karl Polanyi 1944 prophezeit wurde. Anders als der Fortschritt glauben lässt, stellt die Zukunft keine lineare, planbare Fortführung der Vergangenheit dar, denn es drohen „Kipppunkte“ (Tipping Points). Je länger die Gesellschaft an nicht-nachhaltigen Denkmodellen festhält, desto wahrscheinlicher wird der Kollaps. Anhand drei historischer Fallbeispiele wird zunächst gezeigt, warum der Untergang die Kehrseite des Fortschritts ist. Danach geht es um die Empirie der heutigen Polykrise. Sie wird anhand vier zusammenhängender Dimensionen (Ökologie, Ökonomie, Soziales, Kultur) dargestellt. In der Krisendynamik entfaltet sich eine Logik, die eine starke kulturelle Komponente hat. Gesellschaftliche Krisen sind oft die Folge eines „anästhetischen Zustandes“ beziehungsweise einer Unfähigkeit zu lernen.