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Forschen durch traditionsgerichtete Lektüre: Von der reflexiven Orientierung zum Produktionsfaktor

  • Karsten Berr

摘要

Forschende zehren in ihrer Forschungsarbeit von Traditionsbeständen disziplintypischen Wissens. Das gilt für Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften sowie für Entwurfs- oder Planungsdisziplinen wie etwa die Landschaftsarchitektur mehr als für Naturwissenschaften. Die besondere Situation des gegenwärtigen Wissenschaftssystems mit beispielsweise dem zunehmenden Zwang zu Veröffentlichungen, vorzugsweise in ‚peer-reviewten‘ Fachzeitschriften, führt häufig dazu, vermeintlich Originelles oder Innovatives zu produzieren, zu oft allerdings in Unkenntnis oder Nichtbeachtung der Traditionsbestände. Dieser Traditionsvergessenheit setzt der Beitrag die Propagierung einer traditionsgerichteten Lektüre als Forschungsmethode entgegen, deren Sinn und Anwendungsbereich exemplarisch erhellt und demonstriert wird. Wichtig für eine angemessene Einordnung und Bewertung dieser Methode ist der Hinweis darauf, dass im Sinne eines zu propagierenden Methodenpluralismus diese Methode eine unter vielen möglichen ist und ihre Anwendungsmöglichkeiten und ihr entsprechender Wert insbesondere als ‚Orientierungsfaktor‘ im Rahmen von ‚Orientierungswissen‘ einzuschätzen sind. Vor einer Applizierung landschaftsarchitektonischen Wissens als ‚Produktionsfaktor‘ und vor der Applizierung als ‚Orientierungsfaktor‘ (Jürgen Mittelstraß) ist vorab eine ‚reflexive Orientierung‘ (Christoph Hubig) im Sinne einer pragmatischen und aktiv aneignenden Selbstverortung eigenen Forschens und Denkens in einen Traditionszusammenhang angeraten.