Forschen durch Sichtbarmachen eines Denkstils: Denkstile des Mikroklimas. Zur Aneignung des Mikroklimakonzeptes in der amerikanischen Landschaftsarchitektur
摘要
Das Mikroklima ist eine Kategorie, die sich aus Einsichten unterschiedlicher Disziplinen speist und seit jeher auch über Bezüge zur Architektur und Landschaftsarchitektur verfügt. Es ist, wie ich zeigen möchte, ein exemplarisches Hybridthema an der Schnittstellt von Natur und Kultur, aber auch von Architektur und Landschaftsarchitektur. In diesem Beitrag werden Aspekte der Aneignung des Mikroklima-Konzeptes durch die Architektur und Landschaftsarchitektur beleuchtet – und zwar in einem nordamerikanischen Kontext der 1960er- und 1970er- Jahre und unter Anwendung einer diskursanalytischen Methodik. Die nordamerikanische Aneignung des Mikroklimas blieb gekennzeichnet durch einen “Denkstil” (Ludwig Fleck), der auf der Natürlichkeit der Mikroklimata beharrte, obschon das Artefaktische und das Konstruierte in urbanen Landschaften immer deutlicher erkennbar wurde. Hierfür werden von mir Texte von Enwerfenden ausgewertet sowie mündliche Aussagen im Rahmen eines Dokumentarfilms und eines von mir geführten Interviews analysiert. In einem ersten Teil gehe ich auf das neue Paradigma der Ökologie in den 1960er- und 1970er-Jahren ein. Die Mikroklimatologie, wie sie in der ersten Jahrhunderthälfte in Europa entstanden ist, erlangt im Fahrwasser dieser Debatten neue Konturen. Im zweiten Teil meiner Ausführungen stelle ich zwei interdisziplinäre Kollaborationen zwischen Architekt:innen, Landschaftsarchitekt:innen sowie Naturwissenschaftler:innen vor, in welchen die Untersuchung und Herstellung von Mikroklimata zu einem Objekt der Planung und des Entwurfs gemacht wurden. Die erste Kollaboration entwickelte sich in einem neuen Labor am MIT; die andere betraf die Planung des so genannten Sea Ranch Areals in Nordkalifornien.