Konflikt durch Kommerz, Kooperation durch Kontrolle? Staatliche Polizei und privates Bewachungsgewerbe vom Kaiserreich bis in die Weimarer Republik
摘要
Dieser Beitrag untersucht exemplarisch fachpolizeiliche bzw. sicherheitspolitische Debatten über das Aufkommen der privaten Sicherheitsbranche in Deutschland in den Jahren nach 1900 bzw. während der 1920er Jahre, um so das wechselvolle Spannungsverhältnis zwischen Kooperation und Konflikt zwischen öffentlichen und privaten Sicherheitsakteuren herauszuarbeiten. Dabei standen Fragen der alltäglichen Regulierung und Kontrolle einer neuartigen Branche im Vordergrund der Diskussionen. Es wird gezeigt, dass anfängliche Skepsis und Reserve gegenüber möglichen kriminellen Machenschaften in einem weitgehend unregulierten Geschäftsfeld, die vor allem in der Zeit des Kaiserreichs überwogen, in der Weimarer Republik zunehmend einem liberaleren Verständnis wichen: staatliche Polizei und private Akteure sollten nun, unter bestimmten Regeln, stärker miteinander kooperieren. Eine private Kommerzialisierung von gesellschaftlichen Sicherheitsbedürfnissen – vor allem in der Sphäre des „Eigentumsschutzes“ – sollte dabei jedoch durch eine stärkere öffentliche Kontrolle eingehegt werden. Diese hier herausgearbeitete Verschiebung ermöglicht auch historische Einblicke in wandelbare Verständnisse über die zeitgenössischen Grenzziehungen zwischen Staat, Markt und Gesellschaft.