„Ordnungs“-Formationen in der fragmentierten Revolutions- und Bürgerkriegssituation 1918–1920 am Beispiel Leipzigs
摘要
In der neueren Revolutionsforschung bleiben die Ansätze von unten zur Aufrechterhaltung von „Ruhe, Sicherheit und Ordnung“ vor Ort meist unterbelichtet. Dabei stellte der lokale Raum in der fragmentierten Revolutions- und Bürgerkriegssituation 1918–1920 eine wichtige Ebene dar, auf der „Ruhe, Sicherheit und Ordnung“ verhandelt wurde. Örtliche Einwohnerwehren und Zeitfreiwilligen-Verbände oder auch Freikorps nur als konter-/revolutionäre Formationen zu verstehen, greift daher zu kurz. Sie traten vielmehr als polizierende Akteure auf, die teilweise die Ausübung des Gewaltmonopols übernahmen beziehungsweise danach strebten. Das Konzept des Polizierens macht dabei bewusst, dass sich nicht nur die Polizei, sondern eine Fülle von Akteuren durch räumlich und zeitlich gebundene Praktiken und Diskurse der Aufrichtung und Aufrechterhaltung von Ordnung auszeichnen. In diesem Beitrag sollen am Beispiel Leipzigs verschiedene Formen dieser polizierenden Akteure sowohl organisationsgeschichtlich rekonstruiert und ihre Praktiken systematisiert als auch ihre diskursive Einbettung um „Ruhe, Sicherheit und Ordnung“ untersucht werden.