Der Beitrag gilt dem Verhältnis von Biologie, Technologie und Medientheorie. Diese Konstellation sollte epistemologisch brisant werden, nachdem das Primat einer mimetischen Annäherung von Natürlichem und Technischem preisgegeben wurde und – wie im Fall der Kybernetik – Momente des Gemeinsamen zwischen Organismen und Artefakten in den Vordergrund rückten. Das Tier wurde im Zuge dessen von seiner einseitigen Verpflichtung auf die Funktionsstelle eines sensorischen Mediums gelöst und konnte legitimer Teil dessen werden, was als multispecies communities konzeptualisiert wurde. In dieser Konstellation geraten neue Akteure, neue Kommunikationen und Kollaborationen, neue Designentwürfe und Teilhaben, neue Verantwortlichkeiten und Sozialformen in dem Blick. Sie weisen historische Formen der Medientheorie, die, wie die Ansätze von Ernst Kapp oder Marshall McLuhan, Medien als Ergänzungen oder Erweiterungen des Menschen (extension of men) veranlagten, als historische Phasen einer sich anthropozentrisch gerierenden Medientheorie aus. Mit dem Umweltwerden von Medien gehen Strategien einer Naturalisierung von Technik einher, die im Zuge breiterer Partizipation nicht zuletzt auf Multisensorik und damit auf die Inklusion der niederen, der tierlichen Sinne setzten. Dabei brechen sich Beschreibungsfiguren Bahn, die dem Steigerungsnarrativ technischer Medien Momente der Reduktion und der Alterität an die Seite stellen. Möglich wird so eine andere Ordnung des Zusammenlebens der Arten – in einer Mischökologie (Schmickl) jenseits der Unterscheidung von Leben und Technik, von Medium und Ambiente.

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Bio(techno)logie und Medientheorie

  • Stefan Rieger

摘要

Der Beitrag gilt dem Verhältnis von Biologie, Technologie und Medientheorie. Diese Konstellation sollte epistemologisch brisant werden, nachdem das Primat einer mimetischen Annäherung von Natürlichem und Technischem preisgegeben wurde und – wie im Fall der Kybernetik – Momente des Gemeinsamen zwischen Organismen und Artefakten in den Vordergrund rückten. Das Tier wurde im Zuge dessen von seiner einseitigen Verpflichtung auf die Funktionsstelle eines sensorischen Mediums gelöst und konnte legitimer Teil dessen werden, was als multispecies communities konzeptualisiert wurde. In dieser Konstellation geraten neue Akteure, neue Kommunikationen und Kollaborationen, neue Designentwürfe und Teilhaben, neue Verantwortlichkeiten und Sozialformen in dem Blick. Sie weisen historische Formen der Medientheorie, die, wie die Ansätze von Ernst Kapp oder Marshall McLuhan, Medien als Ergänzungen oder Erweiterungen des Menschen (extension of men) veranlagten, als historische Phasen einer sich anthropozentrisch gerierenden Medientheorie aus. Mit dem Umweltwerden von Medien gehen Strategien einer Naturalisierung von Technik einher, die im Zuge breiterer Partizipation nicht zuletzt auf Multisensorik und damit auf die Inklusion der niederen, der tierlichen Sinne setzten. Dabei brechen sich Beschreibungsfiguren Bahn, die dem Steigerungsnarrativ technischer Medien Momente der Reduktion und der Alterität an die Seite stellen. Möglich wird so eine andere Ordnung des Zusammenlebens der Arten – in einer Mischökologie (Schmickl) jenseits der Unterscheidung von Leben und Technik, von Medium und Ambiente.