Ungleichheit und Armut als Movens von Wachstum und Wohlstand?
摘要
Ungleichheit soll nach Auffassung von Rousseau, Sen, Rawls, Müller-Armack zur Sicherung des sozialen Friedens in einer Gesellschaft und aus Gründen der Gerechtigkeit reduziert werden. Zusätzlich wird eine Umverteilung zugunsten der unteren Einkommen als Beitrag zu mehr Wachstum gefordert (Sismondi, Keynes). Mit der Wirtschaftskrise seit Mitte der 1980er-Jahre endete die Dominanz dieser Konzepte: Der Staat sollte die Umverteilung zu Lasten der Reichen beenden, die als Hindernis für Investitionen und Bestrafung der Tüchtigen gelten (J.S. Mill, Friedman, v. Hayek). Die Umsetzung dieser marktradikalen Konzepte (Marktöffnung, Steuerabbau auf Unternehmen und Reiche, Rückzug des Staates aus der Wirtschaft, Abbau von Sozialleistungen) betrafen nahezu alle westlichen Länder. Weltweit haben auch die Weltbank und der Internationalen Währungsfonds (Washington Konsensus) dazu beigetragen, diese Doktrin gegenüber hochverschuldeten Staaten durchzusetzen. Seitdem ist die Ungleichheit – besonders auch im Verhältnis Nord-Süd – gewachsen, ohne allerdings den behaupteten Wirtschaftserfolg zu erzielen.