Verfassungsdogmatik der Bürgerlichkeit: Zum Verhältnis zwischen Bundesverfassungsgericht und Staatsrechtslehre seit den 1980er-Jahren
摘要
Ausgehend von einer Unterscheidung dreier methodischer Phasen der bundesrepublikanischen Staatsrechtslehre analysiert der Beitrag die methodische wie inhaltliche Dimension des verfassungsrechtswissenschaftlichen Dogmatisierungsprozesses, der sich seit der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre für einen Zeitraum von circa 25 Jahren vollzogen hat. Die Hauptthese lautet, dass sich die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und die sie dogmatisch aufbereitende Verfassungsrechtslehre als Ausdruck einer liberaletatistischen Ordnungsvorstellung rekonstruieren lassen. Diese „Verfassungsdogmatik der Bürgerlichkeit“ sieht sich seit einigen Jahren sowohl externer Herausforderungen (Autoritarismus, Klimakrise, Digitalisierung) als auch wissenschaftsinterner Anfechtungen (u. a. Kontextualisierung, relationales Freiheitsverständnis) ausgesetzt, in deren Folge die Verfassungsrechtswissenschaft in eine vierte, als „multiparadigmatisch“ zu beschreibende Phase eingetreten ist.